Aus Sehnsucht gewachsen.
Manche Träume brauchen Zeit.
Dieser hier brauchte fast ein ganzes Leben.
Einen Großteil meiner Kindheit habe ich auf dem Weingut meiner Großeltern und meines Onkels verbracht. Nach der Schule, in den Ferien, an den Wochenenden — ich war immer dabei. Ich habe gelernt, wie man einen Rebstock schneidet, wann der beste Zeitpunkt für die Ernte ist, welche Arbeiten im Keller anfallen — ich habe es geliebt.
Die Heerkretz, eine der renommiertesten Weinlagen Rheinhessens, kannte ich durch die Weinberge meines Onkels dort von klein auf: steile Hänge, Porphyrboden, viel Arbeit — ein Ort, an dem ich gerne war.
Dann kam der Tag,
an dem alles anders wurde.
Das Weingut musste aufgegeben werden. Ein Teil meiner Kindheit, verkauft an den Meistbietenden.
Aber nicht alles ging verloren.
Glücklicherweise konnte die Familie einige Weinberge behalten — darunter auch die in der Heerkretz. Verpachtet, aber nicht verloren.
Das Leben führte mich zunächst in eine andere Richtung. Ich wurde Steuerberater, arbeitete in einer Bank, baute mir eine Karriere auf.
Solide. Sicher. Vernünftig.
Aber der Traum blieb.
Besonders im Herbst, wenn ich Freunden bei der Weinlese half, dachte ich oft an die Chardonnay- und Rieslingweinberge meines Onkels in der Heerkretz, die dort seit über drei Jahrzehnten wurzeln. Und ich fragte mich: Was wäre, wenn ich es selbst versuchen würde?
Nach fast dreißig Jahren schließt sich der Kreis. Ich bewirtschafte die Weinberge jetzt selbst.
2023 wurden die Pachtverträge neu verhandelt — und mein Onkel konnte mir die Weinberge verpachten, so dass 2025 endlich mein Herzensprojekt losgehen konnte. Von diesem Moment an verbringe ich einen Teil meiner Freizeit in der Heerkretz: vor der Arbeit, nach der Arbeit, an den Wochenenden.



Ich schneide, binde an, hefte, entblättere von Hand, dünne aus und lese von Hand — jede einzelne Traube. Kein bezahlter Mitarbeiter, keine Maschine. Sondern Freunde, die diese verrückte Leidenschaft teilen und eine Mannschaft aus Familie und Freunden zur Handlese.
An einem Samstag Anfang September, nach einer weiteren Reifemessung, war klar: Der Chardonnay musste bald gelesen werden. Für Montag und Dienstag war starker Regen vorhergesagt — ich hatte Sorge, dass er zu großen Einfluss auf die Qualität hat und die steilen Weinberge in der Heerkretz kaum noch befahrbar macht.
Am Sonntag stand eine Familienfeier an. Ich wollte trotzdem vorher noch schnell ernten, hatte bereits alles organisiert. Ein befreundeter Winzer, der das Projekt ebenfalls unterstützt, beruhigte mich: Der Chardonnay könne auch am Mittwoch noch gelesen werden.
Am Mittwoch, 10. September 2025, war es dann endlich soweit. Meine erste Ernte! Die Trauben, das sichtbare Ergebnis von einem ganzen Jahr Arbeit, waren kerngesund und goldgelb. Von Hand gelesen, nach altem Brauch mit den Füßen gestampft. Als ich sie in den Keller fuhr, war ich beseelt und glücklich. Und dann der erste Schluck vom eigenen Saft — Beste wo gibt ;-)


Kurze Zeit später konnte ich dann auch die erste Ernte vom Riesling einfahren. Doch auch hier musste der ursprünglich organisierte Lesetermin mit Familie und Freunden aufgrund von starkem Regen stündlich verschoben werden.
Als dann die Sonne rauskam und es endlich losgehen konnte, stellte sich schnell heraus, wie sehr der Regen der Vortage dem Riesling zugesetzt hatte. Trotz einer sehr selektiven Ernte von goldgelben Beeren erfüllte der Wein im Keller letztendlich nicht meine Qualitätsansprüche.
Aus diesem Grund wird es den Riesling aus 2025 nicht geben.
Von Hand gelesen, mit den Füßen gestampft, spontan vergoren im 500-Liter-Tonneau. Filigran, mit einer feinen, lebendigen Säure. Die Herkunft ist spürbar. Erhältlich ab Oktober 2026.
Der Blick geht nach vorn und die Vorfreude steigt. Was uns 2026 erwartet? Der Riesling — alte Reben, wüchsig und eigensinnig. Doch ich habe noch mehr Arbeit investiert: erstmals Trauben geteilt, jede Dritte entfernt, die Erträge von Hand reguliert. Mit viel Hingabe und Herzblut. Der Chardonnay — alte Reben, karg im Ertrag und dafür umso konzentrierter — lässt wieder Großes hoffen.
Nur die Natur hat es aber am Ende in der Hand!
Nur ein Mann, ein Weinberg und ein Traum, der 30 Jahre brauchte, um wahr zu werden.
Aus Sehnsucht gewachsen.